Zweite Wahrheit

Es ist schon tief in der Nacht. Und würde der Mond da ganz oben rechts nicht hell und voll scheinen, hätte ich die Dame wohl gar nicht bemerkt.

Sie liegt, besser hängt, splitternackt auf der hölzernen Bank direkt vor mir. Vermutlich ist sie in sitzender Position eingeschlafen und dann ein wenig nach links gekippt und auf der Sitzfläche zum Liegen gekommen. Eine Strähne ihrer etwa halblangen etwas zerzausten dunklen Haare hängt noch über der Banklehne, ein anderer Teil der Mähne ist in ihre rechte Gesichtshälfte gefallen; der Rest bedeckt leicht ihre linke Schulter. Ihr Kopf ist noch nicht völlig auf die Sitzfläche der Bank abgerutscht. Er hat noch etwas Halt an der Lehne gefunden, so dass ich in ihr Gesicht schauen kann – Zumindest in den Teil, der nicht von den Haaren verdeckt wird. Sie hat schön geschwungene dunkle Augenbrauen. Die Augen sind beim Schlafen entspannt geschlossen. Der restliche Körper scheint auch völlig entspannt im Tiefschlaf versunken. Lediglich das rechte Bein ist noch etwas angewinkelt und zeugt von der vorherigen aufrechteren Sitzposition. Das linke Bein hängt ausgestreckt von der Bank. Durch diese Beinstellung ist der Blick für jeden Vorbeigehenden auf das dunkle Dreieck aus gekräuselten Haaren freigegeben. Die Dame ist insgesamt weiblich und einladend gebaut. Auf ihrem flachen Bauch ist gut der Bauchnabel erkennbar, ebenso wie die Warzen auf ihren weichen großen Brüsten.

Der linke Arm ruht angewinkelt auf der Sitzfläche der Bank. Sie trägt noch eine schwarze Uhr am Handgelenk. Allerdings wirkt diese Position des Armes nicht sehr stabil. Er könnte jeden Moment von der Bank rutschen und würde dann wohl die Flasche umwerfen, die leer unter der Bank im hellen Kies steht und vermutlich verantwortlich ist, für den Zustand der Lady.

Hinter der Bank befindet sich eine ungewöhnliche Felsformation bestehend aus zwei spiegelgleichen Teilen. Auf dem rechten Teil sitzt oben eine schwarze Krähe, die einen Blick über ihre Schulter auf mich zu werfen scheint. Doch was stellt diese ungewöhnliche Felsformation eigentlich dar?

Zwei Schneemänner, die sich gegenüber stehen und die Köpfe aneinander lehnen?

Oder die Rückansicht einer vor mir knienden Dame, die mir ihr entblößtes Hinterteil samt Intimbereich entgegenreckt? In den Formen vermute ich den Übergang der Oberschenkel in die Pobacken zu erkennen. Darunter scheinen die beiden Schamlippen hervorzublitzen.

Oder ist es am Ende eine Überdimensional glattrasierte Vagina? Im oberen Bereich der Schamlippen vermute ich eine Klitoris zu erkennen. Darunter das dunkle Loch könnte der Scheideneingang sein.

Zweite Wahrheit
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