Vivian Vorell

Vivian Vorell

Die Dame vor mir hat halblange glatte blonde Haare, in denen sie einen schmalen schwarzen Haarreif trägt. Bekleidet ist sie mit einem ebenfalls schwarzen Jackett und einer weißen Bluse darunter. Sie sitzt hinter einem großen Schreibtisch, der die gesamte Breite des Bildes einnimmt. Rechts von ihr auf dem Schreibtisch steht ein Flachbild-Monitor, mittig die dazugehörige Tastatur und links ein schwarzes Telefon. An der Wand hinter ihr hängt ein Bild, das auf schwarzem Hintergrund einen männlichen Akt zeigt, von dem allerdings nur der Po, die Rückenpartie und der linke Arm, der mit der Hand auf der linken Pobacke ruht, erkennbar ist. Unter ihrem Schreibtisch, zwischen ihren schlanken Beinen, steht ein metallener Papierkorb, der völlig leer ist. Sie sitzt mit gespreizten Beinen auf ihrem Bürostuhl. Diese Sitzposition ermöglicht mir tiefe Einblicke: Außer den schwarzen Pumps und halterlosen langen schwarzen Strümpfen trägt sie unten herum nichts. So ist für mich gut erkennbar, wie die Oberschenkel in die Pobacken übergehen. Allerdings verhindert die Schreibtischplatte, dass ich weitere Details sehen kann. Den Kopf hat sie auf ihre Hände gestützt. Die Ellenbogen ruhen auf dem Schreibtisch vor der Tatstatur. Ihre Augen sind geöffnet, dennoch scheint der Blick leicht verträumt ins Leere zu gehen. Auch der Rest ihrer Mimik verrät nicht viel. Der Mund mit den weichen Lippen zeigt weder ein Lächeln noch sonst irgendeine Gefühlsregung.

Etwas irritiert mich auch das Spinnennetz, das sich zwischen dem Papierkorb und ihrem rechten Oberschenkel aufspannt. Wie lange mag sie da wohl schon sitzen?

Vivian Vorell
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