Kaspertheater

Heute werde ich Zeuge einer ganz besonderen Vorstellung im Kaspertheater. Der helle Vorhang der ansonsten tiefschwarzen Bühne ist schon aufgezogen und das Theater voll im Gange. Die Hauptrolle hat diesmal unangefochten eine nackte schlanke Lady übernommen. Sie ist alles andere als eine Handpuppe und hat sich weit aus dem Kaspertheater herausgelehnt. Mit ihren braunen Augen schaut sie mich auffordernd – ja fast etwas bissig – an. Die hellen langen Haare sind zu einem straffen Knoten am Hinterkopf zusammengebunden. Mit ihren Armen, von denen ich allerdings nur die Oberarme sehe, hat sie sich auf den Boden abgestützt. Ihre Beine stehen leicht gespreizt hinter der Wand, so dass ich nur die obere Hälfte ihrer Oberschenkel sehe. Allerdings habe ich einen guten Blick auf ihren Po, der weit nach oben ragt. Direkt dahinter, zwischen den beiden Pobacken, ragt eine Handpuppe heraus, die mich von der Kleidung an Eulenspiegel erinnert: eine dunkle Narrenkappe mit Glocken an den zwei Spitzen. Ein großer heller Rüschenkragen und ein hell-dunkel gestreiftes Gewand mit zwei auffällig großen weißen Knöpfen vorn. Dem Kasperl jedenfalls scheint seine Perspektive auf die Dame zuzusagen: Er zwinkert mir verschmitzt mit seinem linken Auge zu.

Es gibt noch eine weitere Handpuppe links neben der Dame. Sie befindet sich allerdings vor der Bühne. Lediglich ihr linker Arm verschwindet hinter dem rechten Bein der Lady und damit auch hinter der Bühne. Der andere Arm ist ebenfalls seitlich ausgestreckt und endet am linken Bildrand. Vom Gesichtsausdruck her scheint es sich hierbei eindeutig um den Schurken zu handeln. Unter der dicken Knollnase breitet sich ein fieses Grinsen aus. Die kleinen dunklen Augen funkeln mich bedrohlich an. Der Schurke trägt einen beigen Hut und eine ebensolche Jacke. Darüber ein helles krawattenartiges Tuch. Der untere Puppenkörper ist, bis auf einen kleinen weißen Stern, schwarz.

Kaspertheater
image-1003